DeepDrive

Felgenmotor könnte Elektromobilität revolutionieren

Welt am Sonntag: Veröffentlicht am 12.02.2022 von Gerhard Hegmann

Der Motorraum von E-Autos könnte künftig auch anders genutzt werden. Ein Start-up-Unternehmen aus München verlegt den Antrieb in die Radnaben. Offenbar eine vielversprechende Lösung: Der Ex-Entwicklungschef von Audi steigt jedenfalls groß ein. Der Ex-Entwicklungschef von Audi und Volvo, Peter Mertens, erwartet einen technischen Umbruch beim Antrieb vor allem kleiner Elektro-Fahrzeuge. Er geht vom künftigen Einbau von Radnabenantrieben aus, also E-Motoren, die in der Felge der Räder eingebaut sind und nicht auf dem Fahrgestell. Mertens beteiligt sich nun am Münchner Start-up DeepDrive mittels einer Kapitalerhöhung. Mit seinen Branchenkontakten will er dem Jungunternehmen auch als Beirat helfen.

„DeepDrive hat mich durch die Technik und das Team überzeugt“, sagt Mertens WELT AM SONNTAG. Die patentgeschützten Entwicklungen seien „ein Türöffner für den Radnabenantrieb“. Ein Einsatzfeld könnten beispielsweise Robo-Taxis oder kleine Frachtfahrzeuge sein.

Die Überlegung, E-Motoren direkt am Rad zu integrieren, ist zwar nicht neu. Schon Ferdinand Porsche rüstete zur Weltausstellung 1900 einen Elektrowagen mit lenkbaren Radnabenantrieben aus. Bislang gab es aber viele Nachteile, etwa das höhere Gewicht, die zu geringe Leistung oder laute Geräusche. Nach Einschätzung des Ingenieurs Mertens kann DeepDrive diese bisherigen Schwachpunkte jedoch aushebeln. Jetzt gebe es deutliche Vorteile gegenüber dem klassischen Aufbau von E-Autos. DeepDrive selbst spricht von künftig vollständig flachen, „steckerfertigen Skateboard-Plattformen“ für Fahrzeuge. Der neuartige Motor verbrauche 20 Prozent weniger Energie als herkömmliche E-Fahrzeuge, was die Reichweite erhöhe.

Mertens hat sich nach eigenen Angaben mit einem sechsstelligen Betrag an dem Start-up beteiligt. Insgesamt flossen bei der sogenannten Seed-Finanzierung, also in der Frühphase, gut 4,3 Millionen Euro. Dies soll den weiteren Prototypenbau und neue Entwicklungen sicherstellen. Geld kommt auch von Hightech-Investoren wie UVC Partners, vom Wachstumsfonds Bayern und Jonas Rieke vom Softwareunternehmen Personio. DeepDrive hatte seinen Motor im Herbst bereits auf der Automobilausstellung IAA in München präsentiert. Es gebe Interesse von Autoherstellern und Zulieferfirmen, mit denen Gespräche geführt würden, heißt es. Konkrete Namen werden nicht genannt.

„Alle sind auf der Suche nach einer kostengünstigen Technik, auch für Kleinfahrzeuge“, sagt Mertens. Er geht davon aus, dass ein Serieneinsatz „signifikant vor dem Jahr 2030“ zu erwarten sei, wahrscheinlich in Europa oder Asien, etwa in Korea oder Japan. Für den 60-jährigen Mertens ist DeepDrive nunmehr sein weltweit zwölftes Engagement im Bereich E-Mobilität.

Über DeepDrive

DeepDrive ist ein in München ansässiges Hightech-Startup, das E-Motoren für Elektrofahrzeuge anbietet. Mit unserer revolutionären neuen Elektromotorentechnologie lösen wir die Hauptprobleme heutiger Elektrofahrzeuge, indem wir ihre Kosten um über 3.000 € senken und die Reichweite um 20 % erhöhen. Darüber hinaus ist die Technologie so kompakt, dass sie anstelle einer zentralen Position, direkt in die Räder integriert werden kann. Bei DeepDrive kombinieren wir ein radikal neues Design mit bewährtem, tiefgreifendem Know-how in der Industrialisierung von Antriebssträngen und entwickeln eine Technologie, die für eine kostengünstige Großserienproduktion geeignet ist. Wir sind bei der Automobilindustrie auf großes Interesse gestoßen und arbeiten bereits mit 8 der 10 größten Automobilherstellern in mehreren Entwicklungsprojekten zusammen. Mit den wichtigsten bereits bestehenden Partnerschaften wollen wir bis 2024 mit der Kleinserienproduktion beginnen und bis 2026 mit der Großserienproduktion fortfahren.

Hinter DeepDrive stehen renommierte High-Tech-Investoren wie UVC Partners und Bayern Kapital sowie die Business Angels Jonas Rieke (COO von Personio) und Peter Mertens (ehemaliges Vorstandsmitglied bei Audi und Volvo).