DeepDrive

DeepDrive zeigt Radnabenmotor auf der IAA

Electrive: veröffentlicht am 27.03.2021 von Sebastian Schaal

Die DeepDrive GmbH hat einen hocheffizienten, getriebelosen Radnabenantrieb entwickelt, mit dem bis zu 20 Prozent elektrischer Energie eingespart werden sollen. Ein im Durchmesser skalierter Prototyp dieser Antriebstechnologie wurde nun auf dem Prüfstand des Fraunhofer IFAM ausführlich erprobt.

Laut DeepDrive soll der eigens entwickelte und patentierte Radnabenantrieb ein Drehmoment von über 1.800 Nm und einen Gesamtwirkungsgrad von über 96 Prozent erreichen – und mehr als 150 kW Leistung. Zugleich soll er in eine gewöhnliche 18-Zoll-Felge passen. Grundlage hierfür sei eine „neuartige Motorentechnologie“, wie es in der Mitteilung heißt. Diese zeichne sich durch „sparsamen Ressourceneinsatz, serientaugliche Herstellverfahren und exzellente akustische Eigenschaften“ aus.

Den oft bei Radnabenmotoren angeführten Kritikpunkt der hohen ungefederten Massen will das in München ansässige Startup auf zweierlei Art lösen. So soll ein Motor weniger als 30 Kilogramm wiegen. Und werden zwei dieser Motoren an der Hinterachse eines E-Autos montiert, ist es laut dem Unternehmen technisch möglich, dort auf eine mechanische Bremse zu verzichten. „Der Zuwachs ungefederter Massen wird so minimiert“, sagt Stefan Ender, Mitgründer und technischer Geschäftsführer der DeepDrive GmbH, „und die Leistungsfähigkeit der Antriebe ermöglicht die Erfüllung der Bremsfunktion ohne funktionale Einschränkungen“.

 

Um die angepeilten Leistungsdaten zu belegen, hat das Startup einen im Durchmesser skalierten Prototyp am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) in Bremen testen lassen. In diesen Versuchen wurde die Effizienz und die Leistungsfähigkeit der entwickelten Technologie „vollumfänglich bestätigt“, wie DeepDrive mitteilt. „Der Antrieb wurde mit hochwertiger Messtechnik geprüft und hat den prognostizierten Wirkungsgrad im angefahrenen Betriebsbereich erreicht“, bestätigt Dennis Koch, der am IFAM für Auslegung und Betrieb der Motorenprüfstände verantwortlich ist.

Die eigenen Radnabenmotoren will DeepDrive nach Möglichkeit nicht an einen Fahrzeugbauer zuliefern. Erklärtes Ziel ist es, dem Hersteller eine komplette Plattform mit diesen Antrieben zu liefern, die auf den besagten Einsatz der Radnabenmotoren an der Hinterachse ohne mechanische Bremse ausgelegt ist. „Der Radnabenantrieb bildet die technologische Grundlage für die von uns entwickelte, flache und modulare Elektrofahrzeugplattform“, so Stefan Ender weiter. „Wir wollen kein reiner Zulieferer elektrischer Antriebe werden, sondern unseren Kunden mit unserer Plattform die vollumfängliche Nutzung der Vorteile des Antriebs ermöglichen.“

 

Bei der DeepDrive-Plattform handelt es sich im Grunde genommen um das, was in der eMobility-Branche derzeit als Skateboard-Plattform im aller Munde ist: In den flachen Rahmen werden die Batterien integriert, an diesem Rahmen sind auch die Aufhängungen (in diesem Fall inklusive der Motoren) und die Crash-Strukturen montiert. Die Plattform soll skalierbar sein, auf seiner Website führt das Unternehmen Größen in S, M und L auf – von einem betont kurzen bis hin zu einem sehr langen Radstand. Da die Motoren aber nicht im eigentlichen Fahrzeug, sondern im Radkasten sitzen, ergibt das im Fahrzeug mehr Platz. Der Nachteil: Einige Bauteile müssen dann im Fahrzeug mehrfach an jedem Antrieb statt einmal an dem Zentralmotor vorhanden sein.

Die mit der Plattform erzielten Bauraum-Einsparungen und die so erreichte Effizienz des Gesamtsystems soll es laut DeepDrive möglich machen, „auch mit günstigen, aber weniger energiedichten Batterietechnologien“ Reichweiten von über 600 Kilometern zu erzielen. Als Beispiele für die Batterietechnologien werden LFP-Zellen und Natrium-Ionen-Batterien genannt. „Die DeepDrive Plattform setzt so einen neuen Maßstab bei TCO und Entwicklungskosten“, sagt Felix Pörnbacher, Mitgründer und verantwortlich für Finanzen und Strategie im Unternehmen.

 

Gegenüber der „Welt“ gab Pörnbacher an, dass man im Austausch mit ersten Pilotkunden sei, „darunter große deutsche Automobilhersteller“. Namen nannte er jedoch nicht. Dem Bericht zufolge gebe es sowohl am Radnabenantrieb als auch an der Plattform Interesse. Eine schriftliche Absichtserklärung eines Kunden, also ein „Letter of Intent“, gibt es noch nicht. Neben etablierten Autobauern seien „alle Unternehmen, die sich Gedanken über ein E-Fahrzeug“ machen, potenzielle Kunden.

DeepDrive will seine Radnabenmotoren auf der IAA Mobility im September präsentieren. Im Herbst ist laut der Mitteilung eine Finanzierungsrunde geplant. Wann erste Validierungsmuster des serienreifen Radnabenantriebs im 1:1-Maßstab zur Verfügung stehen sollen, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Laut LinkedIn hat DeepDrive derzeit acht Angestellte, zumeist Ingenieure, die bereits bei anderen Technologieunternehmen gearbeitet haben.

Über DeepDrive

DeepDrive ist ein in München ansässiges Hightech-Startup, das E-Motoren für Elektrofahrzeuge anbietet. Mit unserer revolutionären neuen Elektromotorentechnologie lösen wir die Hauptprobleme heutiger Elektrofahrzeuge, indem wir ihre Kosten um über 3.000 € senken und die Reichweite um 20 % erhöhen. Darüber hinaus ist die Technologie so kompakt, dass sie anstelle einer zentralen Position, direkt in die Räder integriert werden kann. Bei DeepDrive kombinieren wir ein radikal neues Design mit bewährtem, tiefgreifendem Know-how in der Industrialisierung von Antriebssträngen und entwickeln eine Technologie, die für eine kostengünstige Großserienproduktion geeignet ist. Wir sind bei der Automobilindustrie auf großes Interesse gestoßen und arbeiten bereits mit 8 der 10 größten Automobilherstellern in mehreren Entwicklungsprojekten zusammen. Mit den wichtigsten bereits bestehenden Partnerschaften wollen wir bis 2024 mit der Kleinserienproduktion beginnen und bis 2026 mit der Großserienproduktion fortfahren.

Hinter DeepDrive stehen renommierte High-Tech-Investoren wie UVC Partners und Bayern Kapital sowie die Business Angels Jonas Rieke (COO von Personio) und Peter Mertens (ehemaliges Vorstandsmitglied bei Audi und Volvo).